A gutachten muster

Alle drei Gutachten haben daher eine Reformulierung ihrer Aufgaben vorgenommen: Nicht mehr die fachliche Begutachtung steht im Vordergrund sondern die Plausibilität der Argumentation. Damit wird aber das gesamte Verfahren des Peer Reviews ad absurdum geführt: Es sind nämlich keine „Peers“ mehr , – d.h. Personen aus derselben Wissenschaftscommunity –, sondern (relativ) fachfremde Personen, die den Artikel begutachten. Zum letzten Punkt habe ich übrigens auch schon etwas nachgedacht. Siehe meinen Artikel Fächerübergreifende Dissertationen begutachten. Wir hatten unseren Artikel kurz vor dem offiziellen Launch veröffentlicht und dann vergessen, das Gutachten zu verlinken. Danke für den Hinweis! datenethikkommission.de/gutachten/ Eine deutliche Abfuhr erteilt die Kommission der Idee eines neu zu schaffenden Eigentumsrechts an Daten. Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte vor einiger Zeit gemeinsam mit dem damaligen Verkehrsminister Alexander Dobrindt für die Idee geworben, damit Unternehmen einfacher mit Daten als Handelswaren arbeiten können. Verbraucher- und Datenschutzorganisationen hatten davor gewarnt, weil es dazu führen könnte, Menschen zu entmündigen. Nun hält auch das Gutachten fest, ein Eigentumsrecht an Daten würde „bestehende Probleme nicht lösen“, aber insbesondere Einkommensschwache und Minderjährige zur Preisgabe möglichst vieler Daten verführen. Es ist daher dringend notwendig, dass wir nach Alternativen suchen, sie experimentell umsetzen und anschließend durch formative Evaluierung ständig verbessern. Beteiligen Sie sich daher verstärkt an Open Peer Reviews und helfen Sie wissenschaftlich stimmige Alternativen zu entwickeln. Ein Versuchsfeld – insbesondere wenn Sie diese Seiten (regelmäßig) lesen – ist die Interdisziplinäre Zeitschrift für Technologie und Lernen (iTeL-Journal.org).

Machen Sie mit und helfen Sie uns das Verfahren zu verbessern! Einen positiven Dreh bekommt die Sache aber dennoch: Das Gutachten mit der schlechtesten Note hat die meisten Verbesserungsvorschläge (und für die bin ich ausgesprochen dankbar und so ist ein Sinn des reviews erfüllt), die anderen leider sehr wenige. (Nebenbei, ich glaube drei Gutachten waren „default“ Herr Baumgartner). Ein Viertel der aktuellen Legislaturperiode ist bereits um und noch immer sind nicht alle netzpolitischen Gremien der Bundesregierung besetzt. Wer in den von der Union forcierten Digitalrat kommt, ist weiterhin unklar. Dafür nimmt die Ethikkommission in den nächsten Wochen ihre Arbeit auf. Sie soll eine Neuordnung des Datenrechts vorbereiten. Tatsächlich ist das Wort „Sonderbehandlung“ eine Nazi Wortschöpfung und hat als Tarnbezeichnung eine braune Vergangenheit. Wie Die Welt kritisch feststellt drückt sich darin eine ideologische Aufladung der Alltagssprache aus. Es ist daher durchaus nachvollziehbar, dass dieser schillernde Begriff mit Vorsicht zu verwenden ist.

Allerdings gibt es dazu auch andere Meinungen: Während die Kommission also einen deutlich besseren Schutz personenbezogener Daten fordert, betont sie das Potenzial von Daten für das Gemeinwohl. Insbesondere im Gesundheitsbereich und in der Forschung müsse die Rechtslage dafür aber klarer werden. Außerdem müsse die Bundesregierung ihre Anstrengungen verstärken, Standards und Verfahren zur Anonymisierung und Pseudonymisierung personenbezogener Daten zu etablieren. Flankiert werden sollte dies von einem Verbot, Anonymisierungen und Pseudonymisierungen rückgängig zu machen. Noch ein anderes Argument gegen den Double Blind Review: Es gibt während des Begutachtungsprozesses eine Symmetrie: Beide Seiten (AutorInnen und GutachterInnen) sind anonym. Wird der Artikel aber – wie es bei uns nun der Fall ist – zugelassen, dann wissen die GutachterInnen wer den Artikel geschrieben hat – wenn sie sich überhaupt dafür interessieren, was ich nicht immer als gegeben annehme). Die AutorInnen hingegen tappen weiterhin im Dunkeln. Alternative zu Double Blind Review ist Open Peer Review Mehrfach bin ich über Formulierungen, Wortdopplungen etc.

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